
Hallo am Sonntagabend!
Heute berichte ich mal über meinen schönen Ausflug mit meiner Freundin Sayaka. Ich habe sie Euch schon mal ganz am Anfang meines Blogs vorgestellt und Euch den Link zu ihrem Blog und dem Baumkuchen-Bericht gegeben.
Am Donnerstag sind wir zusammen nach Monzen-Nakacho in Tokyo gegangen. Da ist an drei Tagen im Monat immer ein schöner Straßenmarkt mit vielen Fress-, Süßigkeiten- und
Kleinkramständen. Wir hatten super

Glück mit dem Wetter und schlenderten bei warmem Sonnenschein durch die Straßen. Wir sind zu einem sehr schönen Schrein gegangen, der ziemlich gut besucht war - staun! Es waren sehr viele (vor allem ältere) Leute untewegs.
Auf vielen Schreingeländen gibt es eine Schale aus der Weihrauch qualmt. Häufig können die Besucher selbst die Räucherstäbchen vor Ort kaufen und dann in die mit Sand gefüllte Schale stecken. In diesem Fall sah es für mich so aus, als hätte der Schrein selbst
den Rauch "zur Verfügung gestellt". Naja, egal. Auf jeden Fall

können sich nun die Besucher mit ihren Händen den Rauch um den Kopf fächern. Ich dachte, man macht das um seinen Geist zu reinigen bevor man betet (man sozusagen die Sünde aus seinem Hirn kokelt :-D), aber ein freundlicher alter Japaner hat Sayaka und mich zum Glück aufgeklärt. Er erklärte uns, dass wir uns ganz doll mit dem Rauch einfächern sollen, weil wir dann klüger werden ........... WAS SOLL DENN DAS HEIßEN??? So eine Frechheit! Sayaka und ich wirkten also dumm, aha! :-D
Direkt an dem Schrein, wo die Leute beten können gab es mehrere Seile mit Glocken dran. Jedes Seil stand für unterschiedliche Bereiche: Liebe, Gesundheit, Baby oderso etwas. Nun sucht man sich ein Seil aus, klingelt daran und fängt dann an sein Gebet zu sprechen.
Das Ganze ist häufig auch mal etwas umfangreicher mit einer bestimmten

Klatsch- und Verbeugungsreihenfolge. Naja, dieser Schreingott
hatte auf jeden Fall eine Menge zu tun, weil da gleich 4 oder 5 Seile zum ziehen waren, hahaha. Ich war sehr von der bauweise des Schreins beeindruckt. Er ist komplett aus Holz gebaut und bleibt durch eine Art Einrast- oder Verhakungsprinzip stabil. Ööh, meine Erklärungen hörten sich auch schon mal geistreicher an, ich weiß.
Die Stützbalken waren an den Enden zu wunderschönen Drachen- oder Elefantenköpfen geschnitzt. Würde gerne mal wissen, wie lange es gedauert hat so einen Kopf zu schnitzen!

In der Nähe des Schreins waren tragbare Minischreine ausgestellt. In Japan gibt es regelmäßig sogenannte "Matsuri". Das sind kleinere oder größere Volksfeste, bei denen als Höhepunkt ein auf großen Holzbalken befestigter Minischrein von vielen starken Männern und Frauen durch die Straßen getragen wird. Nur um eine Vorstellung von einem Minischrin zu bekommen: einer der ausgestellten Schreine wog 4,5 Tonnen !!! Ist aber wohl auch der Größte in Japan. Ich habe allerdings nur die etwas kleinere Variante für Euch fotografiert.

Danach sind wir noch an witzigen Sumo-Gedenksteinen vorbeigekommen.
Man konnte dort die Fuß- und Fingerabdrücke von berühmten Sumos sehen. Sayaka hat gleich mal ihre Hand zum Größenvergleich in einen Abdruck gelegt. Seht selbst auf dem Foto :)
Es war auch ein Großer Stein dort, wo die Zentimetermaße eingezeichnet waren. Hihihi, der größte Sumo war 2,30 groß. Was für ein Koloss!
Nach unser Tour waren wir erstmal hungrig und sind Sashimi essen gegangen und haben uns dann aufgemacht zu einer Uni an der u.A. auch Deutsch unterrichtet wird. Sayaka war so nett und hat mir angeboten, mit mir dorthin zu gehen, um mit mir zu schauen, ob ich dort vielleicht

meine selbstgemachten Flyer für Deutsch-Nachilfestunden aufhängen oder auslegen kann. Das Unigelände war riesig. Ein richtiger eigener Stadtteil fast. Wir haben eine Weile gebraucht, bis wir die richtigen Gebäude für Deutsch gefunden haben, aber am ende konnte ich all meine Flyer an diversen Schwarzen Brettern aufhängen. Juhuuu!
Weiß natürlich nicht, ob sie gleich wieder jemand abgehängt hat, weil meine Eigenwerbung nicht gestattet war, aber ich habe es
wenigstens versucht.

Ohne Sayaka hätte ich das niiee hingekriegt. Ich hätte gar nicht geschnallt, wo der Deutschbereich der Uni gewesen wäre.
Diesen Samstag war ich übrigens auch mit Shu zusammen bei einem klassischen Konzert in einer Kirche in Tokyo. Sayakas Mann ist klassischer Sänger und Dirigent (genau wie seine Mutter auch) und Sayaka spielt mehrere Instrumente. Sie haben mit einem kleinen Orchester und Chor ein ca. einstündiges Konzert gegeben. Ich bin ja weder ein großer Fan von klassischer Musik, noch ein Kirchengänger, aber ich saaaage Euch: das Konzert war wirklich fantastisch!!
Ich war völlig von den Socken wie schön der Chor gesungen hat und wie anspruchsvoll und schön das Orchester gespielt hat. Hab richtig gezittert vor Begeisterung! Shu war auch begeistert ..... obwohl er natürlich mal

wieder eingenicht ist mitten im Konzert! Wie peinlich! :) Wir saßen quasi in der ersten Reihe mit direktem Blick auf das geschehen und da sehe ich doch aus meinem Augenwinkel, wie andauernd der Kopf meines Gemahls vorne überkippt. Hahaha, ooohh nee!
Aber ich habe ihn dann natürlich immer dezent wach gekniffen.
Nach dem Konzert konnten wir noch etwas mit Sayaka (die an dem Abend Geige gespielt hat), ihrem Mann (der eine Krawatte mit dem Köllner Dom drauf anhatte) und seiner Mutter sprechen.
Das war sooo lustig - alle sprachen Deutsch! Außer Shu. Und das
habe ich zwischendurch leider immer wieder vergessen und dann einfach mit ihm Deutsch

geredet und mich gewundert, warum er mich so nervös anguckt!
Es war total schön mit ihnen allen nochmal reden zu können. Eine ihrer Profisängerinnen hat mich in so einem unglaublich guten Deutsch angesprochen, dass ich ganz perplex war. Sie sagte mir später, dass sie für 17 Jahre in Deutschland gelebt hat - das erklärt natürlich alles. Ich fand`s super und habe den Abend richtig genossen!
So ... aber eigentlich war ich ja beim Thema Uni. Naja, Wir sind dann noch in den schicken Garten der Uni gegangen. Das war fast

wie ein kleiner Uni-Stadtpark :-D. Total schön japanisch bepflanzt und mit einem kleinen Flüsschen und einer großen Liegewiese, auf der sich die Studenten zum Entspannen und Schwatzen trafen. Wir haben es uns auch etwas gemütlich gemacht und sind dann nach ca. einer Stunde wieder heim gefahren. War ein schöner Tag!
Sayaka und ich wollen uns nun in Zukunft gerne regelmäßig zum Deutsch und Japanisch lernen treffen. Hoffe wir kriegen das einigermaßen regelmäßig auf die Reihe. Freu mich schon drauf.
Genug für heute! Nächstes mal erzähle ich Euch von meinem Ausflug heute mit Kurt, Kayoko, Kasumi und Kentaro! Liebe Grüße von der Melli